Bayern: Zugspitze

Winterbesteigung des höchsten Gipfel Deutschlands

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Ausgangsort: Garmisch-Partenkirch, von dort mit der Zahnradbahn(0,5h, ca. 3€) nach Hammersbach

Umfang: 2 Tage im Winter, 1 Tag im Sommer

Technischer Anspruch: Bergwandern, Klettersteig, leichter Gletscher

Notwendiges Equipment: Festes Schuhwerk, Steigeisen, Helm, Klettergurt und Klettersteigset

Übernachtung: Zelt (am Gletscher) oder Höllentalangerhütte

Routenbeschreibung (Winter): Hammersbach (770 m) → Höllentalklamm → Höllentalangerhütte (1395 m, ca. 4h, 630 hm) → Höllentalgletscher (2400 m, ca. 2h, 1000 hm) → Zugspitze (2995 m, ca. 6h, 580 hm) → Ehrwald (Abstieg über den Stopselzieher Klettersteig, ca. 4h, 1750 hm) oder Talfahrt nach Eibsee / Obermoos mit Gondel (30€)

Tag 1:

Wenn man auf einem Gletscher der Zugspitze auf 2000 Höhenmetern zeltet und das Zelt zu rutschen beginnt, weiß man, dass die allgemeine Lage an Aussichtslosigkeit mal wieder kaum zu überbieten ist. Der Waschbär war davon mal wieder gänzlich unbeeindruckt und glaubte in todesverachtendem Wagemut, die Problemlage auf Morgen verschieben zu können. Ich wusste aber, dass dies einer Verleugnung der momentan unbequemen Realität gleichkam.

Aber wie war es eigentlich dazu gekommen, dass wir uns in dieser Lage befanden? Ich war in das bergige Bayern gezogen und schon bei meinem Zuzug war mir klar, dass ich die höchsten Gipfel der weiten Umgebung bezwingen will. In meinem Weggefährten,dem Waschbären, hatte ich den angemessenen Partner gefunden. Er besitzt einfach die nötige Waghalsigkeit. Natürlich wollen wir nicht in den Hütten der gemeinen Bergtouristen nächtigen. Als wir erfahren, dass für unsere Wanderung ein Schneesturm angesagt ist, freuen wir uns umso mehr auf die Besteigung.

So kommt es, dass wir nach einer durchzechten Nacht in den Niederungen Bayerns uns auf den Weg zum Gipfel der Zugspitze machen.

Bis zur ersten Tagesetappe verläuft die Besteigung dabei, wie erwartet, sehr gut. Ein gewöhnlicher Schneesturm weht uns einen bemühten Wind entgegen, während wir unbeirrt zielgerichtet unser Tagesziel verfolgen. Als wir das Ziel erreichen, bereiten wir ein köstliches Mahl zu und richten unser Zelt auf. Was für ein Abend, was für ein schöner Berg! Alles ist gut.

Aber nun befinden wir uns mit dem Zelt gefährlich nahe am Abhang des Berges. Fast noch schlimmer finde ich es, dass der Waschbär immer noch keine Anstalten macht die lebensbedrohliche Gefahr zu realisieren und versucht, meine Befürchtungen als wilde Gerüchte oder waghalsige Behauptungen zu diffamieren.

Jetzt reicht es mir, ich packe mir den Waschbären und mache ihm die Aussichtslosigkeit der Situation bewusst. Letztendlich retten wir uns und unser Zelt aus dieser lebensbedrohlichen Situation.

Tag 2:

Am nächsten Morgen erwachen wir bei -10 Grad, halb erfroren und minimal ausgeschlafen in unseren Schlafsäcken. Um uns zu motivieren, denken wir an das Weißwurstfrühstück, das uns auf der Hütte am Gipfel erwartet. Laut Plan sind es nur noch 4 Stunden bis zum Gipfel, aber der Gipfel entwickelt sich nach und nach zur unbeugsamen Herausforderung. Das liegt unter anderem daran, dass die angeblichen 4 Stunden zum Gipfel für die Sommerzeit angesetzt sind. Auf dem Weg holt uns in krassem Tempo ein motivierter Wanderer ein, der sich nachher als unsere Rettung erweist. Beim Waschbären macht sich allmählich die Nahrungsabstinenz bemerkbar und die Besteigung des Gipfels zieht sich länger und länger im eiskalten Wind. Währenddessen besteigt unser neuer Wegbegleiter mit einer federnden Leichtigkeit die herausfordernden Wege. Er holt das rettende Energy-Gel raus, mit dem der Waschbär zu neuem Leben erwacht. Nun kommen wir wieder voran und das gar nicht mal so langsam. Aber trotzdem ist der Weg für uns deutlich schwieriger als für den Fremden, aber wieso? Er hatte Steigeisen an. “Na super”, denke ich mir, “die schleppen wir auch mit uns rum, allerdings im Rucksack.” Kaum angezogen, sind alle auch schon auf dem Gipfel angekommen.

Der unbeugsame Gipfel wandelt sich langsam in einen nahezu entspannten Marsch. Logisch, Energieriegel und Steigeisen sind ab jetzt immer mit auf Wanderungen dabei, aber nicht mehr im Rucksack! Oben angekommen kommt, wie nicht anders zu erwarten, eine ausgiebige Fotosession. Weniger von uns selbst gemacht, sondern von fotowütigen, asiatischen Touristen auf der Suche nach Bergsteigern, die bei diesem genialen Wetter auf die Idee kommen, Berge zu besteigen. Vollkommen vereist, hungrig, müde, fertig mit den Nerven – also alles in allem die perfekten Fotomodels.

Die Gondelfahrt runter haben wir uns mehr als verdient. Auf das Bier und Weißwurst-Frühstück müssen wir allerdings bis zum nächsten Tag warten.

EULE