Tadschikistan: Fan- und Pamir-Gebirge

Bergwandern und Eseltrekking durch faszinierend trockene Landschaft

Tier Symbole der Neuzeit Nomaden

Visa: E-Visa bis 45 Tage für 50$ (www.evisa.tj). Wer ins Pamir will braucht den GBAO Permit (+20$). 

Landessprache: Tadschikisch, Pamiri (persischer Dialekt), die Meisten können Russisch

Beste Reisezeit: Juli – September

Kosten: Unterkunft, Verpflegung und Transport sollten nicht mehr als 40€ am Tag kosten

Interessante Orte: Duschanbe, Fan-Gebirge (Sarytag, Savoda…), Pamir-Gebirge (Chorugh, Bachor, Alichur, Murgab, Ishkashim…) 

Infrastruktur/Transport: In der Stadt gibt es billige Taxis und noch billigere Marschrutkas (Minibusse), überland geht es mit Sammeltaxis, -bussen oder -jeeps (im Gebirge)

Beim Reisen kommt es ja oft anders als geplant. Ursprünglich hatten wir vor, in Tadschikistan den Pik Mayakovski zu besteigen. Aber während die Ziege und ich noch nichtsahnend im Fan-Gebirge für die 6000 Höhenmeter trainierten, pendelte Waschbärs Rucksack zwischen Frankfurt und Duschanbe hin und her und blieb schließlich in Deutschland. Aber aus dem Zufall entstehen oft die besten Geschichte und in dieser speziellen hier wird ein notgeiler Esel namens Schaschlik eine tragende Rolle spielen. Aber beginnen wir von vorn…

Fann-Gebirge

Da Waschbär erst in der zweiten Woche zu uns stoßen konnte, verbrachten die Ziege und ich erst mal ein paar Tage im Fan-Gebirge. Das Fan-Gebirge befindet sich nur eine halbe Tagesreise von Duschanbe und ist gut mit einem Sammeltaxi zu erreichen. Dort wollten wir uns als Vorbereitung für den geplanten Gipfel ein wenig akklimatisieren. Einige Tage wanderten wir an unfassbar schönen Bergseen vorbei und bauten unser Zelt auf rauen Felsen im Wasser und mit spektakulärer Aussicht auf den See auf. Der 4040 meter hohe Kaznok Pass, war mit seiner steil aufragenden Gletscherwand und einigen tückischen Stellen doch etwas anspruchsvoller als erwartet. Umso schöner, dass die Menschen in Tadschikistan überaus gastfreundlich sind. Nach geglückter Passüberquerung und noch zwei weiteren Übernachtungen im Tal, weil es dort etwas zu schön war, um direkt weiterzugehen, werden wir in Sarytag zum Frühstück mit frischem Joghurt, Honig und Tee eingeladen. Nachdem der Waschbär, leider ohne Gepäck und vor allem der nötigen Ausrüstung für den Pik Mayakovski, auch in Tadschikistan gelandet war, entschieden wir etwas weiter nördlich ins Pamir zu fahren. Dort konnten wir eine andere Tour machen, die gut ohne die Ausrüstung zu bewältigen war.

Pamir-Gebirge

Einfach mal so kommt man nicht nach Chorugh im Pamir. In unserem Fall war es besonders schmerzhaft. Nachdem wir unseren Reisetag ein klein wenig zu entspannt angefangen hatten, treten wir unsere Fahrt im gemütlichen Laufe des Vormittags als, wie üblich, im Morgengrauen an. Unterwegs machte unser Auto einige Male schlapp und so erreichten wir Chorugh nach stolzen 18 Stunden um sechs Uhr morgens. Aber für die Gegend, die wir uns statt des Pik Mayakovski ausgesucht hatten, hat es sich gelohnt. Von Chorugh ging es noch vier Stunden weiter in das Dorf Alichur, wo wir uns einen Packesel zulegten, ihn Schaschlik tauften und unsere Tour starteten. 

Im Pamir-Gebirge begegneten wir selten Menschen, dafür aber einmal einer ganzen Kamelherde. Wir wateten durch Flüsse und kamen durch so trockene Gegenden, dass wir manchmal sogar Probleme hatten, genug Futter für Schaschlik zu finden. Schaschlik ließ sich seine Tour aber nicht verderben. Zweimal haute er ab und machte sich auf die Suche nach der Eseldame im Tal, die uns daraufhin ein Stück des Weges begleitete. Wir wanderten durch den Fluss Gunt, am See Yashilkul vorbei, ließen die atemberaubende Landschaft auf uns wirken und verbrachten schöne Abende am Lagerfeuer.

Zum Ende hin ließen wir es recht gemütlich angehen, da der Magen des Waschbären nicht der größte Fan des nicht allzu gut abgekochten Flusswassers war und zunehmend zickig wurde. Dies führte, zufrieden und gut gelaunt, aber immer noch mit zornigem Magen, in Bachor angekommen, zu einer Begegnung mit der einheimischen Bevölkerung mit leicht bizarren Zügen. Wir hatten uns aufgemacht, einen Laden zu finden, um dem Waschbären dringend benötigtes Klopapier zu besorgen. Als wir uns nach einem solchen Ort im Dorf erkundigten, wurden wir aber erstmal zum Tee eingeladen, dann auch noch zum Essen und schließlich hatten wir ein Angebot, bei den Leuten zu übernachten. Das nahmen wir gerne an, erinnerten unseren Gastgeber aber nochmal an den gesuchten Laden – war ja doch einigermaßen dringend nötig. Am Laden angekommen, fanden wir eine kleine Auswahl Lebensmittel und Haushaltsgegenstände, aber, dummerweise, kein Klopapier. Taschentücher und Servietten gab es auch nicht. Tja. Um nicht allzu offensichtlich nur wegen den Klopapiers gekommen zu sein, kauften wir ein paar Säfte und traten den Rückweg an. In unserem Nachtlager angekommen, holte uns unser Gastgeber mit einem recht amüsierten Gesichtsausdruck eine Rolle Klopapier. “Schenk ich euch.” Auch gut, Hauptsache der Waschbär war versorgt. 

Zum krönenden Abschluss unseres Aufenthalts im Pamirgebirge, schlachteten wir in Chorugh  mit den Einheimischen eine Kuh und lernten einiges über die Pamiri Kultur. Die Pamiris gehören erst seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Tadschikistan und wären auch ganz gerne wieder unabhängig. Versuche in diese Richtung wurden von der autoritären Tadschikischen Regierung aber bisher recht deutlich abgewiesen.

In unserer Zeit in Tadschikistan haben wir auf jeden Fall nicht nur ein wunderschönes Land kennengelernt und unsere Abenteuerlust ausgelebt, wir haben auch einiges für unsere Kamelreise gelernt. Als Team haben wir uns noch besser kennengelernt, haben aus spontanen Planänderungen trotzdem eine geile Tour gemacht und waren jetzt auch mit einem Tier unterwegs. Ich sag mal so – wenn wir uns kein Kamel mit übersteigertem Hang zur Partnersuche aussuchen, kann nichts mehr schiefgehen.

EULE